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Nomtsas Safaris - Bilder des Lilivleis

Am Wochenende haben Freunde und Familie mich nach Sandhof, eine Farm in der Nähe Maltahöhe, begleitet. Das 800 Hektar große Vlei am Haus füllte sich mit Wasser und dann passiert das Weltwunder; tausende Pflanzen der Familie Amaryllis fangen an zu wachsen und blühen nur 3 bis 4 Tage lang. Die lilienähnlichen Blumen, Crinum crinum paludosum, ein Nachtschattengewächs, erscheinen nur über dem sonst kahlen Boden, wenn das Vlei wenige Zentimeter unter Wasser steht. Der durchschnittliche jährliche Regenfall auf der Farm beträgt 150 mm, aber über diese Zahl wird in diesem Jahr nur gelächelt. Mit den Blumen erscheinen eine etwa fünf Zentimeter große Rüsselkäferart, besonders schön gepunktet und immer am fressen… deshalb sind die auch „voll schwer“, wie mein Freund Christoffer bemerkte.

Die Rüsselkäfer sind echt eigenartig, sie sind passiv, langsam, wie unter Drogen und fressen einfach nur; meiner Meinung nach sind die von all den Amaryllen (wir sagen einfach Lilien) schon ganz high. Die Sache mit dem Lilienvlei bei Sandhof hat doch für sehr viel Wirbel gesorgt. Ich habe mich sehr über Euer Interesse gefreut. So stark waren die Nachfragen, daß ich mich letztendlich selbst für die Natur interessierte (das war ein Scherz…) Jetzt kommen ein paar Tatsachen und für viele Südwester auch traurige Nachrichten. Die vielen Geschichten rundum die besondere Lilie und den besonderen Käfer, die hier im Land ihre Runde machten, in der Zeitung standen und alle so fasziniert haben – ja, sorry liebe Leute, jetzt kommt´s – sind nicht wahr. Ich habe heute tüchtig im Museum und Botanischem Institut gewütet, nur um zu erfahren, daß die Crinum crinum paludosum (also die berühmte Lilie von Sandhof) auch im Norden Namibias wächst und wohl auch in Botswana schon gesichtet worden sei. Auf der Farm „Wewelsburg“ bei Otjiwarongo sind diese sogar regelmäßiger zu sehen als auf Sandhof. Es gibt sie also noch woanders, aber wenigstens nicht überall. Nächster Fall: Der Käfer, der scheinbar so selten und endemisch und „nur auf Sandhof“ zu finden ist, daß – so wurde es mir auch schon erzählt – er noch nicht einmal einen echten Namen hat. Die Wahrheit ist, daß der Rüsselkäfer Brachycerus ornatus heißt, zur Familie Curculionidae gehört und im ganzen südlichen Afrika recht häufig vorkommt. Er ist auch gar nicht so nahrungsspezifisch wie seine Gattungsgenossen, sondern frisst gern auch an den anderen Liliacae – Arten. Der Käfer lebt eigentlich nur zum fressen, paaren und Eierlegen. Aus dem Ei, welches er in den schlammigen Boden legt, kriecht eine kleine Larve, die sich den Bauch an der bis zu 20 cm dicken Knolle/Zwiebel Vollfrist und sich dann außerhalb der Zwiebel verpuppt. Diese Puppe hat dann Zeit – bis zu 14 Jahre – und wenn das Vlei Wasser führt, dann schlüpft Herr Brachycerus ornatus und beglückt alle Besucher des Vleis mit seinen roten Punkten und langem Gesicht. Wenn die Lilien verschwinden sind die Käfer auch weg… und es kommen wieder die Zeiten, wo wir alle nur von Zeiten wie diesen träumen.